Buchstäblich seit Jahrzehnten gehört er zum Clubgeschehen wie die Bühne, die Bar oder das Samstagabend-Konzert: der über die Jahre auf 18 Seiten angewachsene Flyer mit der Vorschau für jeweils zwei Monate Musikprogramm. Das im Fachjargon auch Leporello genannte Falt-Blatt wird nicht nur allen Mitgliedern per Post zugestellt.
Zugleich liegt es auch im Club aus, wird nach Konzerten am Ausgang verteilt und auch an zahlreichen Stellen in und sogar außerhalb Mindens von freiwilligen Helferinnen und Helfern ausgelegt. Jetzt werden wir uns – nicht ganz freiwillig, aber dann letztlich doch auch überzeugt – davon verabschieden müssen. Zumindest in dieser Form.
Wie kürzlich den heimischen Medien zu entnehmen war, wird die Firma J.C.C. Bruns, seit jeher auch einer unserer treuesten Sponsoren, in Kürze ihre Druck-Aktivitäten einstellen. Damit verliert Minden nicht nur eine ehrwürdige Drucktradition (seit 1834), sondern wir als Jazz Club auch einen langjährigen Dienstleister (als Sponsor will uns das Unternehmen weiterhin zur Seite stehen). Konkret betrifft das vor allem unsere seit vielen Jahren laufenden Druckaufträge für die Faltblätter mit dem Zwei-Monats-Programm sowie die Plakate mit den Monats-Vorschauen.
In den vergangenen Jahren haben wir allerdings bereits ein kontinuierlich abnehmendes Interesse an den Print-Werbemitteln feststellen können. Die Handverteilung bei Konzerten im Club stößt auch bei Nichtmitgliedern kaum noch auf Mitnahmebereitschaft, weil die Besucher sich über die zahlreichen digitalen Kanäle ausreichend informiert fühlen.


Auch bitten inzwischen immer mehr Mitglieder mit Hinweis auf den monatlichen Newsletter, die Homepage, die Facebook-Präsenz und den WhatsApp-Kanal aktiv um Einstellung des Postversands – was uns übrigens auch auf der Portokosten-Seite entlastet. Vor diesem Hintergrund werden wir in Kürze eine entsprechende Mitgliederbefragung starten
Vollständig wollen wir uns von dem Werbemittel „Gedruckte Programmvorschau“ nicht verabschieden. Wir werden jedoch versuchen, es in deutlich kleinerer Auflage und kostengünstiger zu gestalten und herstellen zu lassen. Mitglieder, die das ausdrücklich wünschen, sollen weiter ein Faltblatt erhalten; auch im Club werden wir Exemplare zur Mitnahme auslegen. Die Streu-Verteilung werden wir allerdings ebenso einstellen wie die Plakate.
Seit wann genau das Faltblatt im Club eingesetzt wurde, lässt sich anhand unserer leider nicht sehr vollständigen Unterlagen nicht mehr recherchieren. Früheste Exemplare im „Archiv“ datieren von 1995. Da hatte das Faltblatt noch 12 Seiten, trug das damalige Clublogo samt verfremdetem Saxofon und wurde ausschließlich in schwarz-weiß gedruckt. Schon damals trug die Vorderseite im ausgefalteten Zustand das Konzertprogramm für zwei Monate einschließlich penibler Line-Ups. Auf der Rückseite präsentierten sich wie heute Geschäftspartner, Lieferanten und Sponsoren. Im Lauf der Zeit kamen zusätzlicher Umfang, Vierfarbdruck und schließlich – dank der Möglichkeiten des individualisierten Digitaldrucks – auch der quasi direkt aus der Druckmaschine heraus erfolgende Postversand an die Mitglieder hinzu.



Wer in den Lose-Blätter-Sammlungen der Archivbestände schnuppert, erhält einen eindrucksvollen Querschnitt durch das Club-Programm der letzten Jahrzehnte. Und staunt immer wieder über große Namen der internationalen Jazz-Szene, die es auf die Kellerbühne am Königswall zog – oft auch als Sidemen. Um nur wenige zu nennen: James Blood Ulmer, Alphonse Mouzon, Kurzt Elling, Archie Shepp, Javon Jackson, Nils Landgrens Funk Unit,Mark Whitfield, Rebekka Bakken, Vincent Herring,Jiseph Bowie, Spyro Gyra, Gitte Haenning, Hiram Bullock, Candy Dulfer. Und und und…,
Um wenigstens diese Bestände auch über die Kellerräume hinaus für die Nachwelt zu erhalten, haben wir uns deshalb für die Zukunft ein weiteres Projekt vorgenommen: diese Schätze müssen digitalisiert werden. Wir werden berichten, sollte es dazu kommen.





