 |
Berlin Voices
live im Club am 27. Oktober 2007

Ausgesuchte Perlen des Vokal-Jazz
Berlin Voices überzeugen mit traumwandlerischer Sicherheit und
geschmackvollem Programm
Vokal-Jazz vom Allerfeinsten erlebten etwa 130 Zuhörer am Samstag im Jazz
Club Minden beim Konzert mit den Berlin Voices. In perfekter Harmonie
und gekonnt jede noch so unüberwindbar scheinende Hürde der komplexen
Arrangements für vier Stimmen meisternd führten die vier Sängerinnen und
Sänger Esther Kaiser, Sarah Kaiser, Kristofer Benn und Marc Secara ihre
ausnehmend schönen Stimmen durch ein Repertoire, das ihnen mit Kompositionen
von Billy Joel und ausgesuchten Perlen des Jazz-Gesangs einen glänzenden
Auftritt bescherte. Vier Zugaben erkämpfte sich das restlos begeisterte
Publikum, das sich am Ende sogar voller Respekt von den Stühlen erhob.
Mit den Berlin Voices ging der Monat Oktober unter dem Motto "Faszinierende
Stimmen" im Jazz Club Minden mit einem musikalischen Höhepunkt zu Ende.
Wer sich ein wenig auskennt in der deutschen Jazz-Szene, der dürfte schon
vor dem Konzert keine Zweifel daran gehegt haben, mit einem qualitativ
hohen Niveau bedient zu werden. Wenn sich vier exzellent ausgebildete
und als Solo-Künstler überaus aktive und erfolgreiche Jazz-Sängerinnen
und -Sänger zu einer Vokal-Gruppe zusammenschließen und sich drei renommierte
Musiker der deutschen Jazz-Szene als Begleittrio ins Boot holen, kann
eigentlich nicht mehr viel schief gehen. Schon nach wenigen Minuten war
klar: Die Berlin Voices würden selbst hochgesteckte Erwartungen noch übertreffen.
Nach dem berühmten "Piano Man" als Opener, jagen sie dem Publikum mit
"Just the way you are" die ersten Schauer über den Rücken, denen im weiteren
Verlauf des Konzertes noch viele folgen. Ausgesprochen schön sind die
Arrangements, die den Berlin Voices größtenteils vom Echo-Gewinner Wolf
Kerschek auf den Leib geschrieben wurden. Esther Kaiser, Sarah Kaiser,
Kristofer Benn und Marc Secara begegnen ihnen mit großen Gefühlen, faszinierendem
Ausdruck und glasklaren Stimmen. Perfektes Timing jederzeit, mit jedem
Ton, jedem Atemzug bewegen sie sich in den vierstimmigen Gesangspassagen
so gleichförmig als seien sie zu einem Ganzen verschmolzen. Kein Rhythmuswechsel
in "Just the way you are" und keine harmonischen Stolpersteine in "Ooh
yah", dem gescatteten A-cappella-Stück "ohne Text und ohne Melodie", die
die vier nicht meistern. Keine noch so kleine Unsicherheit - man hätte
sie, dank des exzellenten Sounds an diesem Abend, mit Sicherheit gehört.
Äußerst geschmackvoll auch die Zusammenstellung des Programms, das neben
Kompositionen von Billy Joel ein irisches Volkslied, rasante Bebop-Vokalisen
oder eine vor geballter Stimmkraft strotzende Version Stückes "Freedom
Dance" von Diane Reeves bereithält, zu dem Bariton Kristofer Benn gleich
noch ein mit Stimme imitiertes Posaunensolo beisteuert. Geschickt austariert
ist das Verhältnis von Balladen und Up-Tempo-Nummern, Stücke mit erstklassiger
Bandbegleitung von Rolf Zielke (Piano), Ralph Graessler (Bass) und Kai
Schönburg (Schlagzeug) werden von wundervollen A-cappella-Songs wie dem
zu Herzen rührenden "Honesty" oder der faszinierenden Ballade "And so
it goes" durchbrochen, beeindruckende Solo-Passagen lockern den vierstimmigen
Close-Harmony-Gesang auf und zeigen aufs Schönste die stimmliche Vielfalt
des Quartetts. Mit rasendem Applaus und vier Zugabenforderungen zollt
das Publikum den Berlin Voices Tribut. Als sie mit dem "New York Voices"-
Arrangement des Gershwin-Klassikers "Oh, Lady be good" die erste Zugabe
singen, wissen die Zuhörer längst, dass sich diese vier Stimmen aus Berlin
vor denen aus New York nicht zu verstecken brauchen. Ein Schlaflied, das
Billy Joel für seine Tochter schrieb, ein swingendes "Good-Bye" und ein
bewegendes "Somewhere over the rainbow" sowie stehende Ovationen folgen.
Ganz große Klasse.
Vienna Teng & Band
live im Club am 20. Oktober 2007

Fesselnde Songs voller Poesie, Wärme und
Zartheit
Vienna Teng verzaubert ihr Publikum im ausverkauften Jazz Club mit
engelreinem Sopran und hinreißenden Geschichten
"Hat die eine schöne Stimme!", "Was für eine begnadete Künstlerin!",
die Begeisterung der Besucher des Vienna-Teng-Konzertes am Samstag im
Jazz Club Minden kannte kaum Grenzen. Überglückliche Gesichter während
und nach einem Konzert, das schon mit einer kleinen Sensation begonnen
hatte und erst nach vier Zugaben mit überschwänglichem Jubel zu Ende ging.
Nur noch 30 Karten waren an der Abendkasse zu haben und auch die waren
innerhalb kürzester Zeit vergriffen. Ausverkauft. Damit hatte am wenigsten
der Veranstalter selbst gerechnet. "Ich hoffe, Sie steinigen mich nicht.
Ich muss gestehen, dass ich Vienna Teng gar nicht kannte, bevor ich sie
für dieses Konzert gebucht habe", ließ der Jazz-Club-Vorsitzende die gebannt
wartende Menge zu Beginn des Konzertes wissen. Tatsächlich scheint es
erst einmal rätselhaft, was 300 Menschen dazu bewegt, ein Konzert mit
einer Musikerin zu besuchen, die bislang in Deutschlang kaum in Erscheinung
getreten ist. Es braucht nur einen kurzen Moment bis Vienna Teng selbst
das Geheimnis lüftet: Eine zauberhafte Begrüßung, ein paar freundliche
Worte an die, denen sie während des Konzertes den Rücken zukehren muss
und es folgen Songs, einer schöner als der andere, voller Poesie, Hingabe,
Wärme und Zartheit, die vom ersten Moment an fesseln. Atemberaubend, mit
wie viel Gefühl Vienna Teng ihre hinreißenden Geschichten mit ihrer sanften,
klaren, engelreinen Sopranstimme singt, wie sie sich von einer zarten,
fast beiläufig flüsternden Traumwelt in eine ergreifende Realität singt
und wie genial sie ihre Songgeschichten in die vielschichtigen Piano-
und Streicher-Arrangements einbettet, die ihre intimen, intensiven Texte
aufs Schönste transportieren. Darunter finden sich Ohrwürmer wie das eingängige
"Whatever you want", zu dem ein Teil des Publikums verzückt die Lippen
bewegt, oder "City Hall" mit Country-Einschlag, Stücke mit raffinierten
Tango-Rhythmen wie "Unwritten Letter # 1" oder ein funkig angehauchtes
"Hope on fire". Mit ostinaten Rhythmen des exzellenten Percussionisten
Alex Wong durchsetzt ist das Blues durchzogene "Blue Caravan", bei dem
das dunkel gefärbte Cello-Spiel Paul Brantleys und die herzzerreißend
klagende Violine Claudia Chopeks die ganze Traurigkeit offenbaren, die
Vienna Teng in diesem Stück besingt. Oder "Gravity", ein Stück, das davon
erzählt, wie jemand immer wieder seine Meinung ändert und bei dem die
sanfte Melodieführung entsprechend immer wieder von rhythmischen Stolpersteinen
des Percussionisten durchbrochen wird. "Harbor", das durch treibende Dynamik
besticht, oder "Homecoming", bei dem Vienna Teng und Alex Wong (hier Percussion,
Gitarre und Gesang) so herrlich miteinander verschmelzen, dass die Wärme
des "Nach-Hause-Kommens" intensiv zu spüren ist. Vienna Teng ist ein musikalisches
Juwel mit einem ausgesprochenen Gespür für außergewöhnliche, bewegende
und schöngeistige Musik, ein Roh-Diamant mit einer begnadeten Stimme,
die so wundervoll natürlich und ehrlich auf die Zuhörer einwirkt, dass
sie einfach nur noch in helle Begeisterungsstürme ausbrechen können. Wie
wohl sich auch Vienna Teng an diesem Abend gefühlt hat, sagt sie mit einem
spontanen "Tonight, I had the most fun on this tour" und lässt mit vier
Zugaben auch hier ihren Worten Taten folgen. Erst "Fleisch mit Käse",
das auf humorvolle Art den erlernten deutschen Wortschatz präsentiert,
dann eine mitreißende Version des Simon & Garfunkel-Hits "Cecilia", bei
dem das Publikum mitsingt, das vortrefflich passende "Lullabye for a stormy
night" (wer möchte ihr nicht immer wieder danken, wenn sie darin singt:
"I´m here tonight") und zum krönenden Abschluss noch "Green Island Serenade"
a cappella auf Taiwanisch. Einfach traumhaft schön.
|